3D-Handscanner revolutionieren BIM-Prozesse
Die Kombination aus 3D-Handscanner und Building Information Modeling (BIM) eröffnet neue
Möglichkeiten für die Qualitätssicherung und Bestandsdokumentation im Bauwesen. Mobile
Messtechniken wie SLAM-basierte Handscanner (Simultaneous Localization and Mapping) ermöglichen
die schnelle Erfassung von Räumen und Gebäuden während des laufenden Betriebs – ohne die
aufwendige Aufstellung stationärer Scanner.
Wie 3D-Handscanner im BIM-Prozess eingesetzt werden
3D-Handscanner erfassen die Umgebung beim Durchschreiten des Gebäudes in Echtzeit.
Die SLAM-Technologie berechnet dabei kontinuierlich die Position des Scanners und erzeugt
eine fortlaufende Punktwolke. Im Gegensatz zum stationären Laserscanning entfällt die
zeitintensive Positionierung und Registrierung einzelner Scan-Stationen.
Für BIM-Anwendungen bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Während klassische Laserscans
vor allem in der Bestandserfassung verwendet werden, können Handscanner auch während der
Bauphase zur Qualitätssicherung eingesetzt werden. Der Vergleich zwischen Soll-BIM und
Ist-Zustand erfolgt nahezu in Echtzeit.
Webinar-Einblicke: 3D-Handscanner in der Praxis
Ein besonders interessantes Webinar der Firma Walbridge zeigte eindrucksvoll, wie
3D-Handscanner zur Überprüfung von BIM-Bauprojekten eingesetzt werden. Die Aufzeichnung
demonstriert den gesamten Workflow von der Erfassung vor Ort bis zum Abgleich mit dem
BIM-Modell in Autodesk Revit.
Die vorgestellten Use-Cases umfassten die Abnahme von Gewerken, die Kontrolle von
Installationspositionen und die Dokumentation von Verbauten. Besonders beeindruckend war die
Geschwindigkeit, mit der Abweichungen zwischen Planung und Ausführung sichtbar gemacht
werden konnten.
Vorteile von 3D-Handscannern im Bauwesen
- Geschwindigkeit: Räume werden beim normalen Durchschreiten erfasst –
kein Aufstellen von Stativen nötig - Mobilität: Kompakte Bauweise erlaubt Einsatz in engen Räumen, Treppenhäusern
und Kellern - Echtzeit-Ergebnisse: Punktwolke ist sofort nach dem Scan verfügbar
- Kosteneffizienz: Geringerer Zeitaufwand vor Ort reduziert Projektkosten
- Minimalinvasiv: Keine Unterbrechung des laufenden Betriebs
SLAM-Technologie als Basis
Die Technologie hinter modernen 3D-Handscannern ist SLAM (Simultaneous Localization and
Mapping). Diese aus der Robotik stammende Methode ermöglicht es dem Scanner, seine Position in
einer unbekannten Umgebung zu bestimmen und gleichzeitig eine Karte – also die Punktwolke –
zu erstellen. Dafür werden Laser-Entfernungsmessungen mit Inertial-Sensoren (IMU) kombiniert.
Die Genauigkeit von SLAM-Handscannern erreicht heute Werte, die für viele BIM-Anwendungen
mehr als ausreichend sind. Für hochpräzise Anwendungen wie das verformungsgerechte Aufmaß
bleibt das stationäre Laserscanning jedoch die erste Wahl.
BIM für Bestandsgebäude: Die wachsende Bedeutung
Während BIM bei Neubauten bereits etabliert ist, gewinnt die digitale Gebäudemodellierung
für Bestandsgebäude zunehmend an Bedeutung. Hier spielen 3D-Handscanner ihre Stärken aus:
Sie ermöglichen die schnelle und wirtschaftliche Erfassung vorhandener Gebäudestrukturen als
Grundlage für BIM-Modelle.
Durch den Einsatz moderner Software-Lösungen wie des FARO Orbis Handscanners oder des Leica
BLK2GO können Punktwolken direkt in BIM-Modelle überführt werden. Die Semi-Automatische
Modellierung reduziert den manuellen Aufwand und macht BIM für Bestandsgebäude wirtschaftlich
attraktiv.