Ein Aufmaß ist nie „einfach genau“. Wie genau es sein muss, hängt davon ab, wofür die Pläne gebraucht werden. Für das Bauaufmaß haben sich vier Genauigkeitsstufen etabliert, die auf eine Empfehlung der Denkmalpflege in Baden-Württemberg zurückgehen und mit dem Namen Eckstein verbunden sind. Hier werden diese Aufmaß-Genauigkeiten erklärt, und Sie erfahren, welche Stufe für welches Vorhaben sinnvoll ist.
Die Genauigkeitsstufen I bis IV im Einzelnen
Die Stufen unterscheiden sich in der Genauigkeit des Aufmaßes, im Umfang des Erfassten und im Zeichenmaßstab.
Stufe I: schematisches Aufmaß
Die erste Stufe ist ein schematisches Aufmaß, die Aufzeichnung erfolgt von Hand. Verformungen und Bauschäden werden nicht aufgenommen. Gezeichnet wird im Maßstab 1:100. Das schematische Aufmaß eignet sich für die Vorplanung oder für Renovierungsarbeiten ohne Eingriff in die Bausubstanz.
Stufe II: annähernd wirklichkeitsgetreues Aufmaß
In der zweiten Genauigkeitsstufe spricht man von einem annähernd wirklichkeitsgetreuen Aufmaß im Maßstab 1:50 oder 1:100. Es ist eine gute Grundlage für einfache Sanierungsarbeiten und für die Kartierung restauratorischer Untersuchungen.
Stufe III: verformungsgetreues Aufmaß
Das verformungsgetreue Aufmaß bildet die dritte Stufe und wird im Maßstab 1:50 angefertigt. Erfasst werden auch die Bauschäden; frühere Bauzustände werden berücksichtigt und das Baumaterial beschrieben. Diese Stufe ist Grundlage für Umbau- und Restaurierungsarbeiten, für die statische Sicherung und für die wissenschaftliche Bauanalyse.
Stufe IV: verformungsgetreues Aufmaß mit detaillierter Darstellung
Die vierte Stufe erweitert die dritte um eine detaillierte Darstellung. Zusätzlich werden kleinste Details wie Zierelemente oder Türlaibungen erfasst. Gezeichnet wird im Maßstab 1:25 oder größer. Genutzt wird diese Stufe für komplizierte Restaurierungs- und Umbauplanungen sowie für Rekonstruktionen.
Genauigkeiten in der Praxis: Grundriss oder verformungsgerecht
In unseren Angeboten unterscheiden wir vor allem zwei Stufen. Genauigkeitsstufe 2 liefert einen annähernd wirklichkeitsgetreuen Grundriss, etwa für Umbau, Vermarktung oder Wohnflächenberechnung; sie kostet ab 6,- €/m². Genauigkeitsstufe 3 liefert verformungsgerechte Pläne, in denen schiefe Wände, Durchbiegungen und Versätze so gezeichnet sind, wie sie gemessen wurden; sie kostet ab 7,- €/m² (jeweils netto, Wohnungen unter 100 m² mit Zeichnungspauschale ab 600,- €). Mehr dazu auf der Seite verformungsgerechtes Aufmaß in Stufe 3.
Wichtig für die Einordnung: Die Stufe beschreibt vor allem, was gezeichnet wird und wie detailliert. Die Messung selbst ist bei uns in beiden Fällen ein Laserscan mit einer Messgenauigkeit von ±1–3 mm je nach Objekt. Wird später mehr Detail gebraucht, lässt sich aus derselben Punktwolke nachzeichnen, ohne erneut zu messen.
Präzision und Aufwand: die passende Stufe wählen
Je genauer ein Aufmaß sein soll, desto aufwendiger ist es, und desto höher sind die Kosten. Mehr Präzision ist deshalb nicht automatisch besser. Folgende Fragen helfen bei der Entscheidung:
- Wird in die Bausubstanz eingegriffen, oder geht es nur um Oberflächen und Raumaufteilung?
- Sollen Tragwerk, Deckenbalken oder Gewölbe untersucht werden?
- Steht das Gebäude unter Denkmalschutz, und verlangt die Behörde eine bestimmte Darstellung?
- Müssen Einbauten millimetergenau angepasst werden?
Wenn Sie eine der letzten drei Fragen mit Ja beantworten, ist meist Stufe III sinnvoll. Für Planungen ohne Eingriff in die Substanz genügt in der Regel Stufe II. Welche Stufe für Ihr Gebäude in Berlin oder im Umland passt, klären wir gern vorab anhand Ihrer Fragestellung; Hintergründe zum Messverfahren finden Sie bei der Genauigkeit des Laserscannings.
