Wer ein BIM-Modell eines bestehenden Gebäudes beauftragt, stößt schnell auf die Abkürzung LOD. Hinter den Stufen 100 bis 500 steckt weniger ein Maß für Detailreichtum als eine Vereinbarung darüber, wie verlässlich Geometrie und Informationen eines Bauteils sind. Dieser Beitrag ordnet die Begriffe für Architekten, Bauherren und Betreiber ein und zeigt, welche Stufen bei einem Modell aus dem Laserscan realistisch sind.
Level of Development statt Level of Detail
LOD steht im BIM-Umfeld für Level of Development, also den Entwicklungs- oder Fertigstellungsgrad eines Modellelements. Das Konzept stammt aus dem amerikanischen Vertragswesen und wird heute vor allem durch die LOD-Spezifikation des BIMForum beschrieben. Gemeint ist, wie weit ein Bauteil geometrisch und inhaltlich ausgearbeitet ist – und damit, wie sehr sich andere Planer auf seine Angaben verlassen dürfen.
Davon zu unterscheiden ist der Level of Detail, der nur die grafische Detaillierung meint. Ein Element kann fein gezeichnet sein und trotzdem nur eine Annahme darstellen. In Deutschland trennt man deshalb häufig zwischen LOG (Level of Geometry, geometrischer Detaillierungsgrad) und LOI (Level of Information, Umfang und Qualität der Attribute). Im Umfeld der ISO 19650 ist außerdem vom „Level of Information Need“ die Rede (DIN EN 17412-1), daneben ist der Begriff Fertigstellungsgrad gebräuchlich.
Die Stufen im Überblick
| Stufe | Bedeutung | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| LOD 100 | Symbol oder Massenkörper, Größe und Lage nur ungefähr | Konzept, Volumenstudie |
| LOD 200 | generisches Bauteil mit ungefähren Abmessungen, Lage und Ausrichtung | Vorentwurf, grobes Bestandsmodell |
| LOD 300 | konkretes Bauteil mit festgelegten Abmessungen, Form und Lage | Entwurf, Bestandsmodell für Umbauplanung |
| LOD 350 | wie 300, zusätzlich Anschlüsse und Schnittstellen zu anderen Bauteilen | Koordination der Gewerke |
| LOD 400 | ausführungsreif mit Fertigungs- und Montageinformationen | Werkplanung, Vorfertigung |
| LOD 500 | auf der Baustelle überprüfter Ist-Zustand | Dokumentation, Betrieb |
LOD 500 ist streng genommen keine weitere Ausarbeitungsstufe, sondern beschreibt die Verifizierung vor Ort. Die BIMForum-Spezifikation definiert diese Stufe deshalb nicht im Detail, sondern überlässt sie der Projektvereinbarung.
Was ein Modell aus dem Laserscan leisten kann
Ein terrestrischer Laserscan liefert die sichtbare Geometrie eines Gebäudes als Punktwolke: Millionen Messpunkte mit Koordinaten. Daraus modellierte Wände, Decken, Öffnungen und Treppen erreichen in der Geometrie meist LOD 200 bis 300 – je nachdem, wie genau sie nachgebildet werden sollen.
Zwei Punkte werden dabei oft übersehen. Erstens erfasst der Scanner nur Oberflächen: Wandaufbau, Dämmung, Leitungen in Wänden oder Materialkennwerte kennt er nicht. Diese Informationen kommen aus Bestandsunterlagen, Bauteilöffnungen oder Annahmen und sollten im Modell als solche gekennzeichnet sein. Zweitens liefert ein Scan nie „automatisch“ LOD 400, denn dafür fehlen Fertigungs- und Montageangaben vollständig. LOD 500 ist mit einem Scan dagegen gut erreichbar, wenn vorher festgelegt wurde, welche Abweichung zwischen Modell und Messung zulässig ist.
Für die geometrische Genauigkeit gibt es eigene Kennwerte, etwa die Level-of-Accuracy-Spezifikation (LOA) des amerikanischen USIBD. Sie trennt sauber, was LOD vermischt: wie gut gemessen wurde und wie detailliert modelliert wird. Wo Durchbiegungen und Schiefstellungen wichtig sind, ist ein verformungsgerechtes Aufmaß die bessere Grundlage als ein idealisiertes Modell.
Detailtiefe nach Zweck festlegen
Der Modellierungsaufwand steigt mit jeder Stufe deutlich. Sinnvoll ist deshalb die Frage, welche Entscheidungen mit dem Modell getroffen werden sollen:
- Flächen und Raumbuch: Räume mit Höhen und Begrenzungen reichen häufig; LOD 200 genügt dann für viele Bauteile.
- Umbau- und Sanierungsplanung: Wände, Decken, Öffnungen und Treppen in LOD 300, damit Maße direkt übernommen werden können.
- Technische Gebäudeausrüstung: nur relevante Leitungen und Anlagen, oft mit einer Mindestgröße als Grenze.
- Denkmal und Sonderformen: Gewölbe, Stuck oder Ornamente werden oft vereinfacht modelliert; die Punktwolke bleibt als genaue Referenz verknüpft.
LOD-Matrix und Modellierungsrichtlinie
In der Praxis wird der geforderte Grad in einer Matrix festgelegt: Für jede Bauteilgruppe steht dort, welche Geometrie- und Informationstiefe zu welchem Zeitpunkt geliefert wird. Bei öffentlichen und größeren Projekten gehört diese Matrix in die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und den BIM-Abwicklungsplan (BAP). Für Bestandsmodelle sollten zusätzlich die zulässige Abweichung zur Punktwolke, der Umgang mit schiefen Bauteilen, die Raumbezeichnungen und das Austauschformat geregelt sein.
LOD sinnvoll vereinbaren
LOD beschreibt die Verlässlichkeit eines Modellelements, LOG und LOI trennen Geometrie und Information. Ein Bestandsmodell aus dem Laserscan liegt geometrisch meist bei LOD 200 bis 300; entscheidend ist, dass Zweck, Toleranz und Informationsumfang vor dem Modellieren vereinbart werden. Wie wir solche Modelle aus der Punktwolke aufbauen, beschreiben wir auf der Seite zu BIM-Bestandsmodellen.
