Ob ein Gebäude von Hand oder per Laserscan aufgemessen wird, ist keine Glaubensfrage, sondern eine Frage des Objekts und des Zwecks. Beide Methoden haben ihre Berechtigung. Dieser Vergleich hilft Bauherren und Planern einzuschätzen, welches Verfahren für ihr Vorhaben sinnvoll ist.
Die Verfahren kurz erklärt
Beim Handaufmaß werden Strecken mit Laserdistanzmesser, Zollstock oder Maßband gemessen und in eine Skizze oder direkt ins CAD übertragen. Rechtwinkligkeit wird über Diagonalen kontrolliert, Höhen über einen Nivellier- oder Linienlaser. Beim Scan-Aufmaß erfasst ein terrestrischer Laserscanner von mehreren Standpunkten aus die Oberflächen als Punktwolke; die Pläne werden anschließend im Büro daraus konstruiert. Dazwischen liegt die tachymetrische Aufnahme, bei der gezielt einzelne Punkte im Koordinatensystem gemessen werden.
Wann das Handaufmaß die richtige Wahl ist
Für einzelne Räume, kleine Wohnungen mit einfachen, rechtwinkligen Grundrissen oder eine schnelle Flächenkontrolle ist das Handaufmaß oft schneller und günstiger. Es braucht wenig Ausrüstung, die Ergebnisse liegen unmittelbar vor, und bei idealisierter Darstellung genügen die gemessenen Strecken und Kontrollmaße. Ein Scan wäre hier häufig überdimensioniert.
Auch im Scan-Aufmaß bleibt das Handmaß unverzichtbar: als Kontrollmaß, für Bereiche hinter Glas oder Möbeln und für Details, die der Scanner nicht sieht.
Wo der Laserscan seine Stärken ausspielt
Bei gekrümmten Wänden, Gewölben, schiefen Altbauwänden, mehrgeschossigen Gebäuden oder unregelmäßigen Grundrissen stößt das Handaufmaß an seine Grenzen. Jede Abweichung vom rechten Winkel muss einzeln eingemessen werden, Fehler summieren sich über die Geschosse, und Schnitte lassen sich nur mit großem Aufwand erstellen. Der Laserscanner erfasst die Geometrie dagegen flächendeckend in einem gemeinsamen Koordinatensystem. Daraus lassen sich Grundrisse, Schnitte und Ansichten ableiten, die exakt zueinander passen – Voraussetzung für ein verformungsgerechtes Bauaufmaß.
Hinzu kommt: Die Punktwolke dokumentiert das Gebäude vollständig. Fragen, die erst während der Planung auftauchen, lassen sich oft am Rechner beantworten, ohne erneut vor Ort zu messen.
Handaufmaß und Scan-Aufmaß in der Übersicht
| Kriterium | Handaufmaß | Scan-Aufmaß |
|---|---|---|
| Geeignet für | einzelne Räume, einfache Grundrisse | ganze Gebäude, Altbau, komplexe Geometrie |
| Darstellung | meist idealisiert (rechtwinklig) | idealisiert oder verformungsgerecht |
| Schnitte und Ansichten | aufwendig, nur an gemessenen Stellen | an beliebiger Stelle aus der Punktwolke |
| Zeit vor Ort | wächst stark mit Größe und Komplexität | kurz, bei vielen Objekten ein Tag |
| Nachmessen | erneuter Termin nötig | häufig am Rechner möglich |
| Auswertung | teils schon vor Ort erledigt | überwiegend im Büro |
Kombinierte Verfahren in der Praxis
In der Praxis werden die Verfahren häufig kombiniert: Das Treppenhaus mit gewendelter Treppe und die Fassade werden gescannt, einfache Nebenräume von Hand gemessen, Festpunkte mit dem Tachymeter bestimmt. Welche Mischung passt, lässt sich meist bei der Begehung oder anhand vorhandener Pläne einschätzen. Entscheidend sind die Fragen, wofür die Pläne gebraucht werden und welche Genauigkeit der Zweck verlangt.
Hand oder Scanner entscheiden
Das Handaufmaß ist für kleine, einfache Objekte effizient, der Laserscan für große, verwinkelte oder historische Gebäude und überall dort, wo Schnitte oder verformungsgerechte Pläne gebraucht werden. Eine Einordnung weiterer Erfassungsverfahren gibt der Beitrag 3D-Scanning-Verfahren im Vergleich; unseren Leistungsumfang finden Sie unter Aufmaß.
