Vor der Sanierung einer historischen Turnhalle sollte die gesamte Gebäudekonstruktion aufgemessen werden. Leistungsbild war ein Bestandsaufmaß in Genauigkeitsstufe II als Planungsgrundlage für Architekten und Tragwerksplanung.
- Objekt
- Historische Turnhalle
- Ort
- Berlin
- Jahr
- 2024
- Genauigkeit
- Stufe II
- Ergebnis
- Grundrisse, Schnitte, Konstruktionsdetails
- Verfahren
- Terrestrischer Laserscan


Regler ziehen: Punktwolke ↔ Längsschnitt
Aufgabe: das Tragwerk der Turnhalle vor der Sanierung verstehen
Eine Turnhalle ist auf den ersten Blick ein einfacher Raum: vier Wände, ein Dach, eine große freie Fläche. Für die Sanierung ist aber gerade die Konstruktion darüber entscheidend. Historische Hallen kombinieren häufig große Spannweiten mit Bindern aus Holz oder Stahl, die über Jahrzehnte belastet, verändert oder verstärkt wurden. Wer hier planen will, muss wissen, wo die Binder tatsächlich liegen, wie sie sich verformt haben und wie Decke, Wände und Dach zusammenwirken.
Warum für die Halle ein Laserscan gewählt wurde
Mit Maßband und Leiter lässt sich eine Halle dieser Höhe nur mit großem Aufwand und lückenhaft erfassen. Der 3D-Laserscan der Hallenkonstruktion misst dagegen berührungslos vom Boden aus und nimmt Decken, Binder und Wände in einem Zug auf. Die Punktwolke enthält auch Bereiche, die man bei einer Begehung leicht übersieht, etwa Anschlüsse im Dachraum oder Versätze an Auflagern.

Genauigkeitsstufe II steht nach der gängigen Einteilung für ein annähernd wirklichkeitsgetreues Aufmaß, meist im Maßstab 1:50 oder 1:100, und eignet sich als Grundlage für Sanierungsarbeiten. Weil die Schnitte direkt aus der Punktwolke abgeleitet werden, zeigen sie Durchbiegungen und Schiefstellungen so, wie sie gemessen wurden. Eine vollständige Schadenskartierung gehört dagegen nicht zu dieser Stufe.
Für den Messtermin in einer Turnhalle hilft eine einfache Vorbereitung. Geräte, Mattenwagen und Vorhänge verdecken Wandflächen und Auflager; was im Raum steht, wirft im Scan einen Schatten. Je freier die Halle ist, desto weniger Standpunkte sind nötig und desto vollständiger wird die Punktwolke. Geräteräume, Umkleiden und der Zugang zum Dachraum sollten zugänglich sein, wenn auch sie zum Leistungsumfang gehören. Abgehängte Decken oder Verkleidungen bleiben ohne Öffnung allerdings eine Grenze, denn gemessen wird nur, was sichtbar ist. Die Unterschiede erläutert die Seite zu den Genauigkeitsstufen nach Eckstein.
Was die Sanierungsplanung aus der Punktwolke der Turnhalle erhielt
Aus der registrierten Punktwolke entstanden Grundrisse, Schnitte und Konstruktionsdetails der Turnhalle. Die Planung erhielt damit ein komplettes Konstruktionsbild; Verformungen der Binder und Decken waren direkt in den Schnitten ablesbar. Jedes Planelement lässt sich mit dem Scan abgleichen, und versteckte Details, die beim Zeichnen nicht im Vordergrund standen, bleiben belegbar dokumentiert.

Zusammenarbeit mit Statik und Bauausführung
Abstimmungen mit dem Statiker liefen am Datensatz statt auf der Leiter. Fragen wie „Wie stark hängt der dritte Binder durch?“ oder „Ist das Auflager versetzt?“ ließen sich am Bildschirm beantworten. Auch für die spätere Bauausführung bleibt die Punktwolke die gemeinsame Referenz, an der sich Planer und ausführende Firmen in Detailfragen orientieren. Sie ist damit eine Bestandsakte, die sich bei weiteren Maßnahmen erweitern lässt. Wie solche Zeichnungen aufgebaut sind und was sie darstellen, zeigt die Seite Inhalt unserer Bestandszeichnungen.