Im Frühjahr 2019 haben wir einen FARO Focus3D X 130 angeschafft, einen terrestrischen Laserscanner für Innenräume, Fassaden und mittlere Distanzen. Diese Meldung erklärt, warum die Wahl auf dieses Modell fiel, welche Kennwerte es mitbringt und wie aus den Rohdaten Pläne und Modelle entstehen.
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Warum die Wahl auf den Focus3D X 130 fiel
Für das Gebäudeaufmaß zählen weniger Rekordreichweiten als ein ausgewogenes Verhältnis aus Genauigkeit, Gewicht und Bedienbarkeit. Der Focus3D X 130 deckt die typischen Situationen ab, die bei uns vorkommen: verwinkelte Altbauwohnungen, Treppenhäuser, Dachböden, Innenhöfe und Straßenfassaden. Ein Gerät, das schnell aufgebaut ist und von einem Standpunkt zum nächsten getragen werden kann, spart auf dem Objekt mehr Zeit als zusätzliche Reichweite, die im Innenraum ohnehin nicht genutzt wird.
Die wichtigsten Kennwerte
Laut Herstellerangaben arbeitet der Focus3D X 130 in einem Entfernungsbereich von 0,6 bis 130 Metern. Der Distanzfehler ist mit ±2 mm angegeben, die Messrate mit bis zu 976.000 Punkten pro Sekunde. Das Gerät wiegt rund 5,2 kg, ein Akku reicht für etwa 4,5 Stunden Scanbetrieb.
- Integrierte Kamera: Sie nimmt an jedem Standpunkt Bilder auf, mit denen die Punktwolke später eingefärbt wird. So entsteht ein fotorealistisches 3D-Abbild, in dem sich Materialien und Details gut erkennen lassen.
- Zusatzsensoren: GPS, Kompass, Höhenmesser und Neigungssensor liefern Näherungswerte zu Position und Ausrichtung jedes Scans. Sie erleichtern die spätere Registrierung, ersetzen aber keine sorgfältige Standpunktplanung und keine Kontrolle über Zielmarken oder Überlappungen.
- Bedienung: Einstellungen wie Auflösung und Qualität werden direkt am Touchscreen des Geräts gewählt; die Daten landen auf einer SD-Karte.
Wichtig für die Einordnung: Der Distanzfehler eines Einzelpunkts ist nicht gleichbedeutend mit der Genauigkeit des fertigen Aufmaßes. Diese hängt zusätzlich von der Registrierung, den Oberflächen und der Auswertung ab. In der Praxis erreichen wir je nach Objekt und Genauigkeitsstufe ±1–3 mm. Mehr dazu im Beitrag zu Genauigkeit und Messfehlern beim Laserscanning.
Einsatzbereiche in unserer Praxis
- Bauaufmaß und Bestandsdokumentation: vollständige Erfassung von Wohnungen und Gebäuden als Grundlage für Grundrisse, Schnitte und Ansichten.
- Denkmalpflege und Bauforschung: verformungsgerechtes Aufmaß historischer Bauten, bei dem Schiefstellungen und Verformungen sichtbar bleiben.
- Wohnflächenberechnung: Flächennachweise nach WoFlV oder DIN 277 auf Basis gemessener statt geschätzter Raummaße.
- Fassaden: Erfassung von Gesimsen, Fensterleibungen und Ornamenten, die mit Handaufmaß nur mit großem Aufwand zu dokumentieren sind.
Vom Scan zum Plan mit FARO SCENE
Die Einzelscans werden in FARO SCENE zu einer gemeinsamen Punktwolke zusammengeführt (Registrierung), mit den Kamerabildern eingefärbt und auf Lücken und Restfehler geprüft. Anschließend exportieren wir die Punktwolke in das benötigte Format, zum Beispiel E57 als herstellerneutrales Austauschformat, POD für Bentley-Anwendungen oder RCP/RCS für Autodesk ReCap und Revit. Aus den Daten entstehen dann CAD-Zeichnungen oder BIM-Modelle. Wie die Software im Detail arbeitet, beschreibt der Beitrag zu FARO SCENE.
Einordnung aus heutiger Sicht
Der Focus3D X 130 gehört zur damaligen Focus3D-X-Generation. FARO hat die Baureihe seitdem mit den Focus-S- und Focus-M-Modellen und später der Focus-Premium-Reihe weiterentwickelt. Am Grundprinzip hat sich wenig geändert: Ein stationärer Scanner erfasst von mehreren Standpunkten aus die Umgebung, und erst die sorgfältige Auswertung macht daraus belastbare Pläne. Einen Überblick über die Modellreihen gibt der Beitrag zu den FARO-Focus-Modellen. Wie wir Laserscans heute für Pläne und Modelle einsetzen, beschreibt unsere Seite zum Laserscanning.
