Berlins Baubestand ist ungewöhnlich vielfältig: Gründerzeithäuser mit Seiten- und Quergebäuden, Industrie- und Verkehrsbauten aus mehr als hundert Jahren, Nachkriegs- und Plattenbauten. Für Planer und Eigentümer heißt das: Bestandspläne fehlen oft, sind unvollständig oder stimmen nicht mehr mit dem Gebäude überein. Dieser Beitrag zeigt, für welche Aufgaben 3D-Vermessung in Berlin typischerweise eingesetzt wird.
Altbau: wenn die Pläne nicht mehr stimmen
Bei vielen Berliner Altbauten sind die Bauakten lückenhaft, und zahlreiche Umbauten wurden nie sauber nachgetragen: zusammengelegte Wohnungen, ausgebaute Dachgeschosse, versetzte Wände. Hinzu kommen schiefe Wände, durchhängende Holzbalkendecken und Höhenversprünge zwischen Vorderhaus und Seitenflügel. Ein Laserscan erfasst das Gebäude vollständig und in einem gemeinsamen Koordinatensystem, sodass Grundrisse aller Geschosse, Schnitte und Ansichten zusammenpassen. Typische Anlässe sind Dachgeschossausbau, Aufteilung in Eigentumswohnungen, Sanierungsplanung und die Wohnflächenberechnung.
Denkmäler und Industriebauten
Berlin hat viele denkmalgeschützte Gebäude, darunter zahlreiche ehemalige Industrie- und Versorgungsbauten, die heute umgenutzt werden – Fabriken, Umspann- und Gleichrichterwerke, Hallen und Speicher. Sie haben oft große Raumhöhen, unregelmäßige Geometrien, Anbauten aus verschiedenen Epochen und schwer zugängliche Bereiche. Der Laserscanner erfasst solche Strukturen berührungslos und ohne Gerüst bis in die Dachkonstruktion. Für die Abstimmung mit der Denkmalbehörde ist meist ein verformungsgerechtes Aufmaß sinnvoll; welche Genauigkeitsstufe passt, erklärt der Beitrag Bauaufmaß im Denkmal.
Brücken und Verkehrsbauwerke
Berlin hat durch Spree, Havel, Kanäle und Bahnanlagen sehr viele Brücken. Für Sanierung oder Ersatzneubau liefert ein Laserscan die Bestandsgeometrie: Überbau, Widerlager, Lichtraumprofile und Anschlüsse an Straßen und Gleise. Weil der Scanner aus der Entfernung misst, lassen sich viele Bereiche ohne Betreten der Fahrbahn erfassen; ganz ohne Absprachen mit dem Baulastträger und gegebenenfalls kurze Sperrungen geht es bei Verkehrsbauwerken trotzdem selten.
Wichtig ist die Abgrenzung: Die regelmäßige Bauwerksprüfung erfolgt durch qualifizierte Prüfer am Bauwerk. Ein Scan kann sie durch Geometriedaten ergänzen, nicht ersetzen. Und wer Bewegungen über die Zeit verfolgen will, braucht Wiederholungsmessungen in einem stabilen Bezugssystem, wie sie die Ingenieurgeodäsie mit Tachymeter und Präzisionsnivellement an fest vermarkten Punkten durchführt.
Vom Gebäude zum Stadtmodell
Das Land Berlin stellt ein flächendeckendes 3D-Gebäudemodell als offene Daten bereit, erzeugt aus Befliegungsdaten und Katasterinformationen. Es zeigt Gebäude als vereinfachte Körper mit Dachformen, im Stadtmodell-Standard CityGML als Detailstufe LoD 2 bezeichnet – nicht zu verwechseln mit dem LOD (Level of Development) im BIM. Für Stadtplanung, Verschattungs- oder Sichtachsenstudien ist das eine gute Grundlage. Für die Planung an einem konkreten Gebäude reicht diese Detailtiefe nicht aus. Hier ergänzen terrestrische Scans von Fassaden und Innenräumen oder Drohnenaufnahmen das Modell um die nötige Genauigkeit. Drohnenflüge sind in Berlin wegen Kontrollzonen und Flugbeschränkungsgebieten genehmigungsintensiv, Details dazu im Beitrag Drohnenvermessung in Berlin: Genehmigungen.
Berliner Bestand in 3D
Ob Gründerzeitaltbau, Industriedenkmal oder Brücke: 3D-Vermessung liefert dort verlässliche Bestandsdaten, wo Pläne fehlen oder nicht mehr stimmen. Entscheidend ist, Methode und Genauigkeit am Zweck auszurichten: Für eine Wohnflächenberechnung genügt eine idealisierte Darstellung, für Denkmal und Tragwerk braucht es die verformungsgerechte Aufnahme. Unsere Leistungen rund um den Laserscan finden Sie unter Laserscanning.
