Drei Villen, 1911 als zusammenhängendes Ensemble errichtet und baulich miteinander verbunden, sind Gegenstand dieses Projekts. Die Häuser dienten lange als „Mutterhaus“ des Diakoniewerkes Bethel und liegen in einer parkähnlichen Gartenanlage. Ihre historische Bausubstanz ist bis heute erhalten; zum Zeitpunkt des Aufmaßes standen die Gebäude leer.
- Objekt
- Villen-Ensemble von 1911
- Ort
- Berlin
- Jahr
- 2019
- Ergebnis
- Grundrisse und Schnitte aller Geschosse, Dachaufbau
- Verfahren
- Laserscan, Tachymeter
Ausgangslage: ein leerstehendes Villen-Ensemble vor der Umnutzung
Die drei Villen sind unterschiedlich gestaltet. Neben Räumen mit klassischen Stilelementen gibt es einen repräsentativen Empfang mit Kaminbereich. Die Flächen eignen sich gut für eine Büronutzung, darüber hinaus sind viele andere Nutzungen denkbar. Wer ein solches Objekt entwickeln, verkaufen oder umbauen will, braucht zuerst einen verlässlichen Bestand: Wie groß sind die Räume tatsächlich, wo verlaufen die tragenden Wände, wie greifen die Geschosse der einzelnen Häuser ineinander? Für Gebäude dieses Alters liegen Originalpläne häufig nur lückenhaft vor oder bilden spätere Umbauten nicht ab.
Warum die drei Villen in einem gemeinsamen Koordinatensystem gemessen wurden
Bei verbundenen Baukörpern liegt die eigentliche Schwierigkeit an den Nahtstellen. Übergänge zwischen den Häusern, Höhenversprünge zwischen den Geschossen und Anbauten passen in getrennt gemessenen Plänen oft nicht zusammen. Deshalb wurden alle Villen des Ensembles in einem gemeinsamen Koordinatensystem erfasst. Mit dem terrestrischen Laserscanner entsteht eine zusammenhängende Punktwolke, in der jeder Raum lagerichtig zu allen anderen steht, vom Keller bis in den Dachraum.
Ein historisches Gebäude ist selten rechtwinklig. Wände laufen leicht schräg, Decken hängen durch, Fußböden haben über die Jahrzehnte nachgegeben. Ein Handaufmaß mit Maßband und Distanzmesser glättet solche Abweichungen fast zwangsläufig. Der Scan hält dagegen den tatsächlichen Zustand fest, und das Aufmaß wurde verformungsgerecht ausgearbeitet: Die Zeichnungen zeigen das Ensemble so, wie es gebaut und gealtert ist, nicht so, wie es einmal geplant war. Was diese Arbeitsweise im Einzelnen bedeutet, beschreibt die Seite zum verformungsgerechten Aufmaß historischer Bauten.
Planwerk für das Ensemble: Grundrisse, Schnitte und Dachaufbau
Geliefert wurden Grundrisse und Schnitte aller Geschosse einschließlich des Dachaufbaus, abgestimmt über sämtliche Baukörper. Damit liegt ein einheitliches Planwerk vor, auf dem Architekten Sanierung und Umnutzung planen können, ohne die Häuser einzeln nachzumessen.
- Grundrisse je Geschoss mit Wänden, Öffnungen und Höhenangaben
- Schnitte durch die Villen und ihre Verbindungsbereiche, inklusive Dach
- die registrierte Punktwolke als vollständige Bestandsaufnahme des Ensembles
Die Daten werden in offenen Formaten übergeben, also als PDF, DWG, IFC und E57. So bleibt der Auftraggeber an keine bestimmte Software gebunden.
Wofür Eigentümer und Planer das Aufmaß eines historischen Gebäudes nutzen
Für die Entwicklung eines solchen Objekts ist das Bestandsaufmaß der erste belastbare Arbeitsschritt. Es dient als Grundlage für Flächenaufstellungen und Nutzungskonzepte, etwa die Aufteilung in Büroeinheiten, für Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie für Gespräche mit der Denkmalpflege, falls Teile des Gebäudes geschützt sind. Weil die Punktwolke mehr enthält als die gezeichneten Pläne, lassen sich später zusätzliche Schnitte, Ansichten oder Details der Stilelemente ableiten, ohne erneut vor Ort zu messen. Welche Darstellungstiefe für welchen Zweck sinnvoll ist, erläutert die Übersicht der Genauigkeitsstufen beim Gebäudeaufmaß.










