Die Entscheidung für ein individuell geplantes Haus ist gefallen, ein Baugrundstück ist in Aussicht – jetzt steht der erste Termin mit dem Architekten an. Dieses Gespräch dient dem gegenseitigen Kennenlernen, und es wird umso ergiebiger, je besser Sie einige Grundfragen vorher für sich geklärt haben. Die folgenden neun Punkte helfen bei der Vorbereitung.
Inhalt · 4 Abschnitte
Rahmenbedingungen: Geld, Grundstück, Zeit
1. Budget
Überlegen Sie vorab, wie viel Sie insgesamt investieren können und wollen, und scheuen Sie sich nicht, eine konkrete Zahl zu nennen. Nur so kann der Architekt einschätzen, welches Haus damit realistisch ist. Denken Sie dabei nicht nur an die reinen Baukosten: Grundstück, Erschließung, Baunebenkosten wie Honorare, Gutachten und Gebühren sowie Außenanlagen kommen hinzu. Das Architektenhonorar orientiert sich in der Regel an der HOAI, deren Honorarsätze seit 2021 allerdings frei vereinbart werden können.
2. Unterlagen zum Grundstück
Bringen Sie mit, was Ihnen vorliegt: Lageplan oder Auszug aus der Liegenschaftskarte, Grundbuchauszug und, falls vorhanden, den Bebauungsplan oder Hinweise darauf. Nach Prüfung der für das Grundstück geltenden Vorschriften kann der Architekt aufzeigen, welche Bebauung möglich ist. Geht es nicht um einen Neubau, sondern um Umbau oder Erweiterung, gehören vorhandene Bestandspläne dazu – und die Frage, ob sie noch stimmen.
3. Zeitplan und Eigenleistungen
Überlegen Sie, wann Sie einziehen möchten. Der Architekt kann einschätzen, ob der Wunschtermin mit Planung, Genehmigung und Bauzeit vereinbar ist. Klären Sie auch, welche Arbeiten Sie selbst übernehmen wollen – Eigenleistungen beeinflussen Kosten, Ablauf und Gewährleistung.
Das Haus: Form, Größe, Aufteilung
4. Bauform und Dach
Setzen Sie sich mit der gewünschten Form des Hauses auseinander. Gefällt Ihnen eine bestimmte Bau- oder Dachform, bringen Sie Fotos oder Beispiele mit. Beachten Sie, dass ein Bebauungsplan oft Vorgaben macht, etwa zu Geschosszahl, Dachform, Dachneigung oder Firstrichtung. Gibt es keinen Bebauungsplan, muss sich ein Vorhaben im Innenbereich nach § 34 Baugesetzbuch in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen – also nach Art und Maß der Nutzung, Bauweise und überbauter Grundstücksfläche zur Nachbarbebauung passen.
5. Platzbedarf
Machen Sie sich Gedanken über die benötigte Wohnfläche und die Zahl der Räume. Sprechen Sie auch darüber, wie sich Ihre Wohnsituation in zehn oder zwanzig Jahren verändern könnte – wenn erwachsene Kinder ausziehen oder Angehörige zu Hause gepflegt werden sollen. Ein flexibler, möglichst barrierearmer Grundriss kann dann die richtige Lösung sein.
6. Grundriss und Raumaufteilung
Wünschen Sie sich eine offene Küche, die in den Wohnbereich übergeht, oder lieber getrennte Räume? Wie viel Rückzug brauchen die einzelnen Familienmitglieder, wird ein Arbeitszimmer benötigt? Solche Grundsatzfragen bestimmen den Entwurf von Anfang an.
Technik und Förderung
7. Heizung und erneuerbare Energien
Wie soll das Haus beheizt werden? Wärmepumpe, Holzpellets, Solarthermie zur Heizungsunterstützung oder eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher – solche Entscheidungen prägen die Planung früh, etwa beim Platzbedarf für Technik und Speicher oder bei der Ausrichtung der Dachflächen. Ohnehin setzt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) Mindestanforderungen an Neubauten, die der Architekt berücksichtigen muss.
8. Fördermittel
Möchten Sie Förderdarlehen oder Zuschüsse nutzen, etwa von der KfW? Dann sollte das schon im ersten Gespräch auf den Tisch. Förderprogramme sind an technische Anforderungen gebunden, die von Beginn an in die Planung einfließen müssen, und der Antrag ist in der Regel vor Beginn des Vorhabens zu stellen. Da sich Programme und Bedingungen regelmäßig ändern, lohnt ein Blick auf den aktuellen Stand.
9. Haustechnik und besondere Ausstattung
Steht schon fest, dass Sie eine Smart-Home-Steuerung, einen Kaminofen oder eine Ladestation für ein Elektroauto möchten? Dann sprechen Sie es früh an: Die Haustechnik muss mitgeplant werden, ein Kamin braucht einen Schornstein, und für eine Wallbox sind ein geeigneter Stromanschluss und die Leitungsführung vorzusehen.
Architektentermin gut vorbereitet
Je klarer Sie Budget, Zeitrahmen, Raumbedarf und technische Wünsche vorab formulieren, desto schneller entsteht im ersten Gespräch ein gemeinsames Bild. Eine Liste mit Fragen und Wünschen sowie alle Unterlagen zum Grundstück sind die beste Vorbereitung. Planen Sie statt eines Neubaus einen Umbau, lohnt sich vor dem Entwurf ein genaues Aufmaß des Bestands; Grundlagen dazu finden Sie im Beitrag Professionelles Aufmaß.
