Hohe oder schwer zugängliche Fassaden aufzunehmen, ist mit Gerüst oder Hubsteiger aufwendig. Eine Drohne kann die Außenhülle in Bildern erfassen, aus denen photogrammetrisch Ansichten, Orthofotos und 3D-Modelle entstehen. Der Beitrag richtet sich an Planer, Eigentümer und Denkmalpflege und zeigt, was dabei realistisch zu erwarten ist.
Flugplanung für eine lückenlose Fassadenaufnahme
Für Fassaden fliegt die Drohne nicht wie bei der Geländeaufnahme senkrecht nach unten fotografierend, sondern mit horizontal oder leicht schräg ausgerichteter Kamera in parallelen Bahnen an der Wand entlang. Benachbarte Bilder müssen sich stark überlappen, typischerweise um etwa 80 % in Flugrichtung und 60 bis 70 % zwischen den Bahnen. Bei hohen Gebäuden werden mehrere Höhenstufen nacheinander beflogen.
Der Abstand zur Fassade bestimmt die Bodenauflösung, also wie groß ein Bildpixel auf der Wand ist. Je näher die Drohne fliegt, desto feiner die Details, desto mehr Bilder fallen aber an. Vorsprünge, Gesimse und Fensterlaibungen erfordern zusätzliche Schrägaufnahmen, damit keine verdeckten Bereiche entstehen. Mit Bäumen, Oberleitungen, Balkonen und Nachbarbebauung muss bei der Planung ebenfalls gerechnet werden.
Rechtliche und praktische Voraussetzungen
Flüge an Gebäuden in bewohntem Gebiet unterliegen der EU-Drohnenverordnung und berühren oft Wohngrundstücke Dritter, Gehwege oder Straßen. Je nach Lage sind eine Genehmigung, Absprachen mit Eigentümern und Nachbarn sowie die Sicherung des Bereichs darunter nötig. In Berlin kommen Kontrollzonen und Flugbeschränkungsgebiete hinzu; mehr dazu im Beitrag Drohnenvermessung in Berlin: Rechtsrahmen und Planung. Eine Fassadenbefliegung ist deshalb kein spontaner Termin, sondern braucht Vorlauf.
Schäden erkennen und kartieren
Aus hochauflösenden Bildern und dem daraus berechneten entzerrten Fassadenbild lassen sich Risse, Abplatzungen, fehlende Fugen oder Verfärbungen erkennen und lagerichtig kartieren. Die Schadstellen werden im Orthofoto oder in der Ansichtszeichnung markiert und mit Lage und Ausdehnung dokumentiert. Für eine erste Bestandsaufnahme, die Planung von Sanierungsmaßnahmen oder die Ausschreibung ist das oft ausreichend, ohne vorab ein Gerüst stellen zu müssen.
Die Grenzen sollte man kennen: Die geometrische Genauigkeit eines photogrammetrischen Fassadenmodells liegt in der Regel im Bereich von Millimetern bis wenigen Zentimetern, abhängig von Abstand, Kamera und Passpunkten. Ob ein Riss sichtbar ist, hängt von der Bildauflösung ab; seine Breite exakt zu messen, ersetzt keine handnahe Prüfung durch einen Sachverständigen.
Was aus den Bildern entsteht
Aus einer Fassadenbefliegung lassen sich mehrere Ergebnisse ableiten, die sich in Aufwand und Verwendungszweck unterscheiden:
- Entzerrte Fassadenansicht (Orthofoto): ein maßstäbliches Bild der Fassade, in dem sich Strecken und Flächen direkt abgreifen lassen
- Texturiertes 3D-Modell: für Visualisierung, Abstimmung mit Beteiligten und die Dokumentation von Vor- und Rücksprüngen
- Ansichtszeichnung im CAD: aus Orthofoto oder Punktwolke abgeleitete Linienzeichnung mit Öffnungen, Gesimsen und Fugenbild
Einsatz in der Denkmalpflege
Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist eine dokumentierte Ausgangslage vor jedem Eingriff besonders wichtig. Ein fotorealistisches, maßstäbliches Fassadenbild dient als Grundlage für Restaurierungskonzepte, Schadenskartierungen und Bauforschung und hält den Zustand für spätere Vergleiche fest. Wo verformungsgerechte Genauigkeit gefordert ist, ergänzen wir die Drohnenbilder um einen terrestrischen Laserscan vom Boden aus.
Fassade aus der Luft
Die Drohne erfasst hohe Fassaden ohne Gerüst und liefert in Bild und Geometrie eine solide Grundlage für Bestandsaufnahme, Schadenskartierung und Sanierungsplanung, wenn Flugplanung, Genehmigungen und Passpunkte stimmen. Wie aus den Daten Ansichten und Pläne entstehen, beschreibt die Seite Photogrammetrie.
